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Fahrradtour

Die Fahrradtour ist leider schon zu Ende gegangen. Nachdem ich mir gestern kurz vor der Suche nach einem Nachtquartier irgendwie unglücklich den Fuß vertreten habe, hab ich beschlossen, lieber gleich nach Hause zu fahren, um die Sache mit Radfahren nicht noch schlimmer werden zu lassen. So bin ich gestern Nacht also mit dem Zug wieder nach Nanjing gekommen. Aber keine Sorge - meinem Fuß geht’s schon besser und es ist alles gar nicht so schlimm …
Mit etwas Verspätung bin ich gestern um halb eins losgefahren und hatte erst einmal Probleme, die richtige Straße zu finden. Bis ich ganz auf der Stadt raus war, war ich schon etwa 20 Kilometer unterwegs ;). Danach gab’s dann dafür nur eine Möglichkeit: immer geradeaus … Obwohl ich in der am schlechtesten entwickelten Provinz in Ostchina (Anhui) unterwegs war, war die Straße doch ziemlich gut. Nur ein bisschen staubig - was besonders dann unangenehm ist, wenn man von großen LKWs überholt wird. Aber mittlerweile habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, was einen für Gefährte überholen, nachdem man die dazugehörige Hupe gehört hat - so kann ich mich wenigstens auf die zu erwartende Staubwolke vorbereiten ;). Ansonsten war’s landschaftlich nicht sehr vielfältig, sah allerdings an vielen Stellen von der Verschmutzung gesehen besser aus als direkt um Nanjing. Allerdings waren wirklich naturbelassene Flecken sehr selten - alles landwirtschaftlich bebaut; und entsprechend auch alles mehr oder weniger dicht besiedelt.
Nachdem ich dann beschließen musste, wieder umzukehren, hatte ich noch etwas Ärger mit der Bahn. Weil man natürlich das Rad nicht einfach so mitnehmen kann, weil zu viele Leute im Zug sind (gestern Abend war’s tatsächlich sehr extrem - ich hätte echt nicht geglaubt, dass man so viele Leute in einen Zug bringt; immerhin konnte ich wirklich beim besten Willen nicht mehr umfallen ;)), also weil das Rad nicht einfach so reinpasst, hab ich’s als Gepäck aufgegeben. Und weil die Leute bei der Gepäckaufgabe gerade zu Abend gegessen haben, hab ich auch meinen Zug verpasst und musste vier Stunden später fahren. Man wollte mir dann zwischenzeitlich auch noch erklären, dass alles schon geschlossen hat und ich doch morgen wieder kommen solle. Verschiedene indiskutable Lösungsansätze wurden mir angeboten. Der coolste lautete: fahr doch erst mal nach Nanjing und gib dein Fahrrad dann morgen früh auf. Keine Ahnung, wie genau sie sich das vorgestellt haben, und ob sie überhaupt selbst nachgedacht hatten, wie das funktionieren soll, auf jeden Fall war deutlich, dass sie im Moment keine Lust hatten. Das änderte sich ganz schnell, als meinen letzten Trick ausgepackt habe: ich habe begonnen, ihre Nummern auf den Namensschildern aufzuschreiben. Damit könnte man sich nämlich hinterher irgendwann mal beschweren, dass der Service schlecht war. Und siehe da, plötzlich kam neuer Wind in die Angelegenheit und nach weiteren 20 Minuten hatte ich erfolgreich mein Fahrrad aufgegeben.
Es ist zwar eigentlich traurig, aber mittlerweile habe ich gelernt, dass viele eigentlich selbstverständliche Dinge erst dann funktionieren, wenn man entsprechend Druck machen kann. Und auch wenn ich in diesem Jahr nicht alles gelernt habe, was ich hätte können, wenigstens (um meine Rechte) streiten kann ich auf Chinesisch ;).

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