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Eis auf dem See und ein Sonnenbrand im Gesicht

Erst mal vorneweg: mir geht es (trotz dem Sonnenbrand aus der Ueberschrift) und auch die Nacht im Zelt hab ich ueberlebt, auch wenn’s etwas kaelter war als erwartet. Ausserdem hat die Kamera gehalten und die Reise sich gelohnt, auch wenn ich schon wieder einen Tag auf den Zug warten muss.
Von Tonghua nach Baihe, von wo aus man mit dem Bus bis zum Changbaishan fahren kann, verlief die Reise recht angenehm. In meinem Gegenueber und ueber schliefen zwei Chinesen, die mir noch allerlei Tips und Hinweise gegeben haben. Die waren zwar alle nicht hilfreich, aber trotz allem freundlich gemeint. Und dann gab’s noch einen, dessen Bruder direkt vom Bahnhof aus den Transfer zum Naturpark organisiert. Weil der mich ueber’s Ohr hauen wollte, habe ich zurueckgeschlagen und letztlich die Fahrt fuer den halben Preis bekommen ;). Ansonsten verlief alles ohne grosse Zwischenfaelle.
Der Naturpark selbst besteht aus einer relativ ebenen Flaeche, die (zumindest das was ich gesehen habe) ueberwiegend mit Birken oder Mischwald bewachsen ist. Ich war zwar noch nicht in Sibirien, aber vielleicht ist’s dort an manchen Stellen aehnlich. Und dann gibt es noch diesen Vulkan, der immer noch aktiv ist (das letzte Mal wohl so vor etwa 300 Jahren ausgebrochen). Der riesige Krater erhebt sich aus der Ebene, wie ein Loewenzahn, der eine Asphaltstrasse durchbricht. Der Krater selbst ist mit Wasser gefuellt, das den angeblich groessten Vulkankratersee der Welt bildet, der immerhin ein paar Kilometer Durchmesser hat und ueber 300 Meter tief ist. Leider war ich ein wenig zu frueh am Changbai Shan, der seinem Namen (lange weisser Berg) alle Ehre macht und jetzt noch immer teilweise von Schnee bedeckt ist. Auch der Kratersee ist noch fast vollstaendig mit Eis bedeckt. Das verbunden mit der doch schon sehr stakren Sonneneinstrahlung hat bei mir wohl zu diesem knallroten Gesicht gefuehrt, das ich jetzt mit mir rumtrage. Aber ist halb so schlimm - hab das ganze Ausmass erst heute erkannt, als ich in den Spiegel geschaut hab ;).
In zwei oder drei Wochen wird hier der Fruehling so richtig beginnen. Dann werden sich die paar Blumen, die jetzt schon bluehen, zu einem Bluetenmeer ausdehnen, das das ganze Bergmassiv in bunten Farben erscheinen laesst.
Noch ist es allerdings zumindest nachts kalt. Das habe ich gestern Nacht am eigenen Leib erfahren, nachdem ich tagsueber zum See gewandert bin (die Strecke ist nicht besonders weit und total ueberlaufen) und an verschiedenen Stellen die gute Luft und die Stille genossen hatte. Zunaechst war es noch relativ warm. Aber irgendwann um ungefaehr Mitternacht (man muss dazu sagen, dass es hier, weil China ja nur eine einzige Zeitzone hat und man fast ganz im Osten ist, schon um acht dunkel ist und schon um halb vier morgens wieder hell wird) bin ich dann aufgewacht und musste mir warme Sachen anziehen, weil ich mehr als nur etwas gefroren hab ;). Aber danach ging’s dann und ich bin um kurz vor vier wieder aufgewacht, als es hell wurde und draussen die Voegel ein unglaubliches Konzert gegeben haben. Von Zivilisation war nichts zu sehen und nichts zu hoeren …
Danach habe ich dann noch eine Jeepfahrt auf den hoechsten Gipfel um den Krater unternommen (man darf nicht hochlaufen, sondern nur Fahren. Dort war ich nur noch ein paar hundert Meter von der Grenze nach Nordkorea entfernt. Mehr als ein Blick auf die Gipfel, die sich von den chinesischen natuerlich auch nicht unterscheiden, war allerdings nicht drin. Vor allem aber hatte man von dort oben einen wunderschoenen Blick auf den Kratersee und auf die umliegende Ebene. Zum ersten Mal war wirklich zu sehen, wie einsam dieser Berg aus dem Umland ragt. Kein Wunder, dass die Koreaner in als heilig ansehen (und furchtbar veraergert sind, dass Nordkorea nach dem Koreakrieg einen Teil davon an China abgetreten hat). Immerhin kann der Berg so besucht werden. Dafuer steht auch nicht in Aussicht, dass man nach der Wiedervereinigung den ganzen Berg besitzt ;).
Ja, und nun bin ich wieder im kleinen ueberschaubaren Oertchen Baihe gelandet, von wo ich morgen mit dem Zug in Richtung Beijing aufbrechen werde.
Unterwegs hab ich mich wieder mit allen moeglichen Leuten unterhalten (diesmal unter anderem mit ein paar Polizeistudenten, einem Soldat in zivil, einigen Parkaufsehern, zwei chinesischen Sportlern, die fuer Olympia trainiert haben - allerdings waren sie Skifahrer und haben sich auf die olympischen Spiele 2010 vorbereitet; vielleicht seh ich sie ja mal im Fernsehen - und einige Koreaner, die es aus oben genannten Gruenden hier zahlreich gibt). Gesehen habe ich immerhin auch fuenf “Westler”, davon zwei, die zusammen mit den Chinesen im Ski-Training waren (bis vor Kurzem konnte man hier wohl sogar noch Ski fahren …).
Soweit der Bericht aus Baihe. Bis zum naechsten Mal ;).

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