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Kaum ist man wieder “zu Hause”, schon hat man keine Zeit mehr …

So ging’s mir jedenfalls, als ich vor eineinhalb Wochen wieder in Nanjing angekommen bin. Obwohl die Kurse an der Uni schon praktisch fertig waren und in der jetzt vergangenen Woche nur noch die Klausuren anstanden, an denen ich nicht teilgenommen habe, gab’s ständig was zu tun. Schließlich werde ich demnächst (d.h. am Dienstag) schon wieder zur nächsten Reise aufbrechen. Außerdem plane ich schon langsam aber sicher auch meinen Rückzug aus Nanjing und China ;). Zum Beispiel habe ich schon ein Paket mit zehn Kilo Büchern nach Hause geschickt und werde wohl auch noch einige andere Dinge auf den Postweg bringen, weil ich sonst nicht mit dem ganzen Gepäck ins Flugzeug darf ;).
Und dann muss man mittlerweile auch schon beginnen, sich von vielen Freunden zu verabschieden, die entweder jetzt schon nach Hause fliegen oder sich während meiner Abwesenheit vom Acker machen. Und dann gibt es noch etwas: immer noch viele Orte hier in Nanjing oder Umgebung, die in irgendeiner Weise interessant sind und an die ich noch nicht gekommen bin. Wenn ich also Zeit habe, dann schwinge ich mich auf mein Rad und fahre einfach mal planlos in eine Richtung, wo ich noch nicht war.
Vor einer Woche bin ich so zum Beispiel durch ein Dreckloch gekommen, das entfernt an eine Straße erinnerte. Hab ich aber auch nur bemerkt, weil rechts und links Häuser standen, in denen Leute gewohnt haben. Der Boden war ein kleines Rinnsal, das schwarzen Schlamm mitgespült hat, der etwa die Farbe des schwarzen Flusses hatte, den wir bei unserem Schulausflug befahren haben (Fotos dazu hier). Ich habe zwar schon einige Dinge gesehen hier in der Stadt. Darunter auch einige Gebiete, die man gut als Slums bezeichnen kann. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es hier so etwas gibt … War auf jeden Fall sehr interessant, aber auch sehr erschreckend.
Vorgestern hat sich die Fahrt ins Blaue zu einem richtigen Erlebnis entwickelt. Zunächst bin ich zufällig am besten Hotel Nanjings vorbeigekommen. Das liegt ziemlich weit außerhalb und hat ein sehr weitläufiges Areal, auf dem einzelne kleine Häuser stehen umgeben von Wiesen, Wald und Seen. Das Ganze ist auch relativ teuer. Das teuerste Haus kann man sich für etwa zehntausend Euro pro Tag mieten ;). Und weil das Hotel mir von außen zugesagt hat, habe ich beschlossen, mir’s mal genauer zeigen zu lassen. Ich hab also mal angefragt und gemeint, dass ich für meine Fima anfrage, deren Namen ich aber leider nicht nennen dürfe. Und weil ich aussehe, wie ein Ausländer, hat man mir alles geglaubt und mich bereitwillig überall rumgeführt. Wenn man gleich einen ganzen Monat mietet, dann bekommt man alles sogar fast zum halben Preis. Wer jetzt interessiert ist und sich selbst mal dort einmieten möchte, kann sich auf der Homepage des Hotels schlau machen (das Hotel heißt Purple Palace, aber die anderen sind überwiegend auch nicht schlecht ;)). Ich kann’s auf jeden Fall nur empfehlen - die Luft war dort gleich angenehmer und man fühlte sich schon fast wie zu Hause, weil die Häuser klein und die Wiesen groß (und grün) sind. Für Studenten allerdings ungeeignet, weil man eine gute Stunde bis zur Uni braucht. Und mit dem Fahrrad vielleicht sogar noch etwas länger ;).
Nach dem Hotelbesuch habe ich dann den Nanjinger Hausberg mit dem Fahrrad erklommen. Das sind etwa 400 Höhenmeter, aber weil erstens der Weg nur ein Trampelpfad mit vielen großen Steinen und es zweitens auch etwas warm war, war’s ganz schön schweißtreibend ;). Als ich oben war, war die Stadt so zugesmogt, dass man fast nix gesehen hat, aber irgendwie hat sich’s trotzdem gelohnt - so ein paar Dinge konnte man doch sehen und außerdem war die Sicht von oben auf den Smog doch vollkommen anders, als die tägliche Sicht von unten. Gesehen habe ich auch einen kleinen See, von dem ich früher schonmal gehört hatte, dass man dort baden könne. Mit meinem Entschluss, dort mal kurz vorbeizuschauen, fing dann das Abenteuer so richtig an. Zwei Chinesen zeigten mir einen Weg, der entlang der Mauer des Militärsperrgebiets führt, der mich schnellstmöglich zum See bringen sollte. Dieser Weg wurde dann aber immer enger, bis er ganz verschwunden war und ich mich unversehens in einem Rosenstrauch wiederfand. Mit Fahrradfahren war zu diesem Zeitpunkt natürlich schon lange nichts mehr - eher könnte man sagen Fahrradtragen. Irgendwie konnte ich mich dann aber (abgesehen von einigen kleinen Kratzern) unbeschadet durchschlagen und bin irgendwann auf die Hauptstraße gelangt, von wo aus es wirklich gar nicht mehr weit bis zum See war. Zur Belohnung bin ich dann am Ende noch ins Kühle Nass gesprungen. Ich hatte zwar keine Badehosen dabei, aber die der Chinesen sahen auch nicht viel anders aus als meine Unterhose und weil schon viele andere Leute im Wasser waren und dieses auch wirklich echt sauber aussah, hab ich’s dann doch gewagt. Auch das hätte ich nicht gedacht - dass ich hier noch ein Gewässer mit sauberem Wasser finden würde ;).
Im Anschluss habe ich zuerst an einem Straßenstand meinen Bauch mit Fleischspießchen vollgeschlagen und bin danach noch zu einem Freund, der gerade für ein paar Kommilitonen Wiener Schnitzel gemacht hatte. Danach war ich mehr als nur gesättigt ;). Um drei Uhr bin ich dann letztlich zum Schlafen gekommen ;).
Gestern Abend dann waren die letzten in Nanjing Verbliebenen vom Stipendium hier bei uns zum Abendessen. Es hat mal wieder Lachsnudeln gegeben und wurde auch wieder später, bis alle zu Hause waren. Danach hab ich mich noch mit meiner Mitbewohnerin unterhalten, so dass es wieder drei wurde. Bestes Training also für Xinjiang, das so westlich liegt, dass man auch später aufsteht und später ins Bett geht (obwohl die Zeit offiziell die gleiche wie im restlichen China ist - inoffiziell gibt’s deshalb auch eine extra Zeit, die zwei Stunden zurückliegt und die von der geographischen Sichtweise eigentlich etwa richtige Zeit darstellt) …
Vor einer Woche schon habe ich auch neue Fotos online gestellt. Nicht nur von meinem Ausflug zum Changbaishan, sondern auch alle anderen Fotos, die ich gemacht habe, sind schon online. Leider habe ich aber beim Fahrradfahren meine Kamera in der Regel nicht dabei. Wenn ich Zeit habe, werde ich mal eine Tour nur zum Fotographieren machen, um die interessantesten Punkte nochmal festzuhalten. In Xinjiang hoffe ich aber, dass meine Kamera noch durchsteht und ich genug Zeit habe, viele Fotos zu machen …

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